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Nachbarn und Hofbesitzer in
Groß und Klein Zünder vom 17. bis 20. Jahrhundert

Groß Zünder

               
GrZ 01 GrZ 02 GrZ 03 GrZ 04 GrZ 05 GrZ 06 GrZ 07 GrZ 08 GrZ 09 GrZ 10
GrZ 11 GrZ 12 GrZ 13 GrZ 14 GrZ 15 GrZ 16 GrZ 17 GrZ 18 GrZ 19 GrZ 20
GrZ 21 GrZ 22

GrZ 1648

GrZ And

GrZ Pfarrer  

Klein Zünder

               
KlZ 01 KlZ 02 KlZ 03 KlZ 04 KlZ 05 KlZ 06 KlZ 07 KlZ 08 KlZ 09 KlZ 10
KlZ 11 KlZ 12 KlZ 13 KlZ 14 KlZ 15 KlZ 16 KlZ 17 KlZ 18 KlZ 19  
KlZ Hancke 1619

KlZ 1648

KlZ And

       
 

  

aktualisiert 10.2018

Moin,

diese Site über Groß und Klein Zünder in der Danziger Niederung befindet sich im Entwicklungsstadium. Inhaltlich gibt es noch viele Lücken, Fehler und Fragen, die sukzessive hoffentlich geschlossen werden können. Wer mag, kann gerne in dieser Unvollkommenheit herumstöbern.

Hinweise, Kritiken, ergänzende Materialien, etc.: Alles ist willkommen.

Beste Grüße aus Rabat,

Rainer MueGlo


2010 stoße ich auf den Artikel von Eugen B. Jantzen, Schiffsbauingenieur, der erste Vorsitzender des Vereins für Familienforschung, Wappen- und Siegelkunde in Danzig von 1919 bis 1929:

Er listet dort die Hofbesitzerfolgen in  Groß und Klein Zünder anhand der Hofmarken auf.

Mit der Hofmarke wird seit mindestens dem 17. Jahrhundert Haus, Vieh, Geräte, die Kirchenbank und anderes markiert. Die Hofmarke ist an den Hof gebunden, nicht an den Eigentümer. Auch im Rechtsverkehr wird sie verwandt, d.h., in Grundbüchern und sonstigen Dokumenten erfolgt nicht der Eintrag des Namens des Besitzers, sondern die Hofmarke. Verwendung finden die Hofmarken im Danziger Werder bis circa 1870.

Ich bin elektrisiert: In dem Artikel finden sich Namen von Altvorderen im 18. Jahrhundert, die ich aus dem NS-Ahnenpass von 1938 der Tante kenne.

Der Titel von Jantzens Artikel erweist sich als irreführend. Es geht nicht um "Die Bewohner" sondern um diejenigen Bewohner, die Höfe besaßen, d.h., um die Nachbarn / Mitnachbarn und ab dem 19. Jahrhundert "Hofbesitzer". Außen vor bleiben die Handwerker, die Gärtner, die Eigentümer und das Gesinde, die Dienstboten, Knechte und Mägde. Jantzens Titel und Sichtweise geht offensichtlich in Richtung dessen, was der Alte Herr um 1980 über die Zeit 1924 - 34 im Werder schreibt: Und die Landarbeiter, die in den Katen wohnten? Die redeten die Bauern mit "Gnädiger Herr" an und wurden mit Vornamen angesprochen. Über deren Nachnamen weiß ich nichts – aber sie zählten im Werder sowieso nicht. Nur die Bauern, zur Not noch der Pfarrer, wenn er Skat spielen konnte und einen Schnaps mochte.

Doch je mehr und öfter ich in dem Artikel herumstöbere desto irritierter werde ich aus zwei Gründen:

a) Kein einziger Nachname erscheint mehr als als zweimal hintereinander - Vater - Sohn. Danach kommen andere Namen, in einigen Fällen irgendwann wieder der erste Name. Was bedeutet das?

Ich frage im www.Forum.Danzig.de nach und Gerhard Sinus antwortet:

Die Zeiten waren hart damals im Werder. Überschwemmungen vernichteten Existenzen. Hinzu kamen Pest, Typhus- oder Cholera-Epidemien, Kriege und Zerstörungen. Die Werderbauern hatten es nicht leicht. Als die Zeiten friedlicher wurden, waren häufig wirtschaftliche Schwierigkeiten die Ursache für den Besitzwechsel. Meine Tante hatte mir von einigen Höfen berichtet, wo der Inhaber "ausgebauert" hatte, also pleite war.
Ein weiteres Problem war die Erbfolge. In einigen Gegenden war es Brauch, dass der jüngste Sohn den Hof erbte. Das hatte zur Folge, dass die älteren Söhne beizeiten den Hof verließen, entweder in einen anderen Hof einheirateten oder nach Danzig gingen und Kaufmann oder Handwerker wurden. Geschah nun dem jüngsten Sohn etwas, standen die älteren Brüder für die Hofübernahme nicht mehr zur Verfügung und der Hof wurde verkauft.

Das klingt logisch ... Groß und Klein Zünder liegen in der Einfallsschneise zu Danzig. Jedes Mal, wenn es militärisch gegen Danzig ging, saßen die Städter gut geschützt hinter Mauern, und die Bevölkerung der Danziger Niederung wurde heftig gebeutelt, sei es von feindlichen, sei es von befreundeten Truppen.

Falls Sinus' Aussage zutrifft dann bedeutet das, soziologisch gesehen, eine extrem instabile Dorfgemeinschaft. Ist das so?

Je tiefer ich in die Materie einsteige desto mehr schält sich heraus,  - zumindest für Groß und Klein Zünder -  dass überraschend häufig der Hof an den zweiten Ehemann der Witwe oder an die Tochter bzw. deren eingeheirateten Ehemann übergeht - woraufhin sich der Besitzername des Hofes verändert, dieser jedoch in der Familie bleibt. Auch erfolgen Käufe und Verkäufe innerhalb der Familie. Im Ergebnis erweist sich die Gemeinschaft der "Mitnachbarn" trotz aller Katastrophen viel stabiler als zuerst vermutet. - Weitere Analysen stehen an.

b) Mit Bezug auf das Kirchenbuch listet Jantzen für 1733 20 Höfe in Groß Zünder (GrZ) und 17 Höfe in Klein Zünder (KlZ), mithin insgesamt 37 Höfe. Gleichzeitig stellt er 75 GrZ / KlZ zugeordnete Hofmarken dar, mehr als das Doppelte der Zahl an Höfen. Wie passt das zusammen?

Sukzessive stellt sich heraus, dass etliche der Hofmarken sich auf den gleichen Hof beziehen - mehr ...

Jantzens Quellen sind neben diverser Literatur u.a.:

  • Aktenbündel, betitelt "Werderscher Amtskasten", 1800, 7, 169b , Staatsarchiv Danzig - bisher kein Zugang

  • Kirchenbücher von Groß-Zünder (Pfarrerarchiv Gr.-Z.),
    genauer: Die Kirchenchronik von 1733 mit einer Auflistung der Höfe mit Hofzeichen und den folgenden Besitzern - fast durchgehend ohne Jahreszahlen - bis ca. 1810, begonnen von Pfarrer Johann Moneta.

Es gibt jedoch erheblich mehr an Materialien aus und über GrZ / KlZ, u.a.

  • Das Kirchenbuch mit den Geburten / Taufen, Heiraten und Sterbefällen von April 1648 bis August 1944

  • Das Kirchenbuch mit den Kollekten von 1743, 1749 und 1750 für diverse Reparaturen am Kirchturm, der Kirchuhr und der Orgel, 1749 und 1750 mit den jeweiligen Unterschriften der Spender

  • Die Landesaufnahme von 1793 nach der "2. Polnischen Teilung", die die Einverleibung der Freien Stadt Danzig durch Preußen zur Folge hat. Die preußischen Könige führen die Landesaufnahme durch zwecks Feststellung, was die neuen preußischen Untertanen denn so an Steuern abzuführen hätten.

  • Die Kirchenchronik von 1836 mit einer zweiten Liste der Höfe mit den Hofmarken und Besitzern, explizit Bezug nehmend auf die Liste von 1733, erstellt von Pfarrer Maximilian Friedrich Braunschweig, fortgeschrieben bis ca. 1870.

Außerdem:

  • Michael Hancke (1619): Handschrift: Die Herren des Werders ...

  • Mehrere Lebensbeschreibungen der Familie Kling - Behrendt in GrZ

  • Wannow, Richard (1928) sowie Wannow, Wolfgang (1996): Geschichte der Familie Wannow (Wannovius)

  • Wessel, Max (1926): Gedenkbuch der Familie Wessel, Ein Beitrag zur Geschichte des Danziger Werders

  • Adress- und Telefonbücher von 1858, 1888, 1910, 1914, 1927/28, 1942

  • Staatsanzeiger Danzig 1933 - 1936 mit den Anträgen und Bescheiden zur Entschuldung

  • Bertha Neeff: Gemeindeseelenliste KlZ, ca. 1955 - Karte mit den Höfen, Stand 1945

  • Diverse Karten

Alle diese Quellen plus Kirchenbucheinträge der Taufen, Heiraten und Sterbefälle ermöglichen zumindest eine partielle Rekonstruktion der Hof- und Familienfolgen in Klein und Groß Zünder zwischen 1592 und 1945.

Mittendrin die Altvorderen Hendrichsen, Schumacher, Störmer, Kiep, Eichholtz, Bollhagen, Müller, Kohl, Kling, Behrendt und viele andere.

Mich interessiert,

  • wie leben sie?

  • wie funktioniert die Dorfgemeinschaft in den Jahrhunderten seit 1592? Was ändert sich und wie?

Alle oben erwähnten Familien stellen als "Nachbarn" bzw. "Mitnachbarn" (17. / 18. Jahrhundert) und "Hofbesitzer" (19. / 20. Jahrhundert), "Landwirte" und "Bauern" während der NS-Zeit, Schulzen, Dorfvorsteher, Kirchenväter / -vorsteher, Deich- und Schlickgeschworene, Schöppen und Deichgräfe in Klein und Groß Zünder. Eventuell fungiert ein Kiep als letzter deutscher Dorfvorsteher in Klein Zünder. Und Bruno Müller, Eigentümer des Müller-Hofes in Klein Zünder, ist Mitglied des Danziger Volkstages von 1930 bis 1933. Das bedeutet, dass 350 Jahre Altvordere die dörfliche Elite bilden.

Wie funktioniert das? Die sich als erstes aufdrängende Antwort lautet: Man heiratet untereinander. Das ist sicherlich ein sehr starkes Element zur Erhaltung einer Gruppe / der führenden Schicht eines Dorfes. Aber irgendwie reicht das nicht: Bis eventuell auf die Hendrichsen wandern die "Stammväter" aller o.a. Namensträger im 18. oder 19. Jahrhundert  nach Groß und Klein Zünder ein, zum Teil von diesseits der Weichsel, zum Teil von jenseits. Einige kaufen Höfe, die meisten heiraten in einen Hof ein und machen eine beeindruckende Karriere im Dorf. Wie und nach welchen Kriterien erfolgt die Selektion der potentiellen Hofnachfolger? Viele Fragen ...

Der Ausgangspunkt der Besitzerfolgen der einzelnen Höfe ist Jantzens Artikel auf der Basis der Aufstellung 1733 von Pfarrer Johann Moneta - was Jantzen bereits einmal entziffert hat muss ich ja nicht noch einmal entziffern. Soweit sich Abweichungen ergeben sind diese kenntlich gemacht.

Korrekturen, Ergänzungen, Fragen, Ideen und Materialien sind willkommen.

MueGlo

Inhaltsverzeichnis

- Jantzen: Die Bewohner

- Hofmarken

- KB Chronik 1733

- Kollekten 1743, 1749 und 1750

- KB Chronik 1836

- Alphabetisches Register der Nachbarn & Hfb

- Ereignisse

- Prediger & Pfarrer

- Wetterfahne

- GrZ / KlZ in Adressbüchern

- Orte

- Berufe

- Begriffe / Erläuterungen

- Quellen

Analysen
(Ideen für Arbeitstitel)

- Bevölkerungs-entwicklung

- Herkunft der Eingewanderten

- Kindersterblichkeit

- Innerfamiliäre Heiraten

- Der Anfang des Endes der gesellschaftlichen Ordnung

- Ökonomie