Auf dem Weichsel-Werder-Ring
Die Entdeckung der Langsamkeit im Jahr 2013


 

 

Auf der Marienburg

Die Marienburg ist mir vertraut seit der Kindheit. Die Großmutter erzählte von ihr, und im Treppenhaus hing ein Vorkriegsphoto. Jeden Tag kam ich etliche Male an der Burg vorbei. Und dann die Jugendbücher, die davon berichteten, wie die edlen Ordensritter den heidnischen Pruzzen und Slawen Ordnung, Sitte und Christentum mit Bibel und Schwert vermittelten ... viel Käse.

Seit 2005 waren wir mehrmals hier. Diesmal ist es jedoch etwas Besonderes, wir kommen per Boot.

Ich positioniere mich an den Bug des Schiffes, die Kamera bereit, und stelle mir vor, als tapferer Ordensritter vom Raubzug in den Osten per Schiff zurückkehren, zuerst in der Ferne die Türme der Marienburg erblicke - ein Freudentaumel - und dann erstreckt sich vor mir das gesamte erhabene Macht, Überlegenheit und Stolz ausstrahlende Bollwerk aus Ziegeln ...

Der Motor tuckert leise vor sich hin und schiebt das Boot gemächlich durch das Wasser. Da, die Zinnen der Marienburg. Die Bootsmannschaft gerät in Bewegung, die Kameras klicken, schnattern.

Noch eine Landzunge und vor uns  ... Schiiiiete, da hat doch jemand quer über den Fluss eine Eisenbahnbrücke gestellt ... die habe ich gänzlich vergessen. Fruuuust - ist nichts mit dem Blick der Ordensritter auf die Marienburg ...

Eine Eisenbahnbrücke direkt vor solch eine majestätische Burg zu bauen ... ich beginne zu verstehen, weshalb die UNESCO dem Elbtal der Stadt Dresden den Titel eines Weltkulturerbes aberkannt hat ... hätte man doch bloß die UNESCO ein paar Jahrzehnte früher gegründet! Vielleicht wäre man von der hiesigen Schnapsidee Eisenbahnbrücke abgerückt ...

Kommt man von der anderen Seite flussabwärts, ich weiß, da ist's auch nicht besser ... da steht die Straßenbrücke. Und zwischen dieser und der Eisenbahnbrücke schwingt noch die Fußgängerbrücke ...

Fazit: Wanderer, kommst du zur Marienburg, nähere dich ihr nicht auf dem Wasser! Nähere dich ihr - außerhalb der Touristenzeit - zu Fuß auf der Straße vom Westen, biege vor der Brücke links ab ... und dann hast du nach ein paar Metern die Marienburg in ihrer ganzen Pracht und Erhabenheit vor dir stehen. So haben wir's zum ersten Mal erlebt 2005, ein unvergesslicher Anblick und Eindruck.

Łukasz hat uns empfohlen, an dem Restaurantschiff am westlichen Ufer festzumachen. Es gäbe eine Vereinbarung mit dem Eigentümer. Wir legen an. Der Empfang ist nicht gerade überschwänglich, genauer, es gibt keinen. Das herumschwirrende Personal ignoriert uns ... offensichtlich ist niemand "zuständig". Auch gut. Siggi setzt seine Mütze auf, wir ziehen zur Burg.

 

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