Auf dem Weichsel-Werder-Ring
Die Entdeckung der Langsamkeit im Jahr 2013


 

 

Das Boot

 

Łukasz konstruiert und baut die Boote selber. Und in jedem Jahr fährt er vom Oktober bis Dezember mit einem seiner Boote auf den europäischen Kanälen und Flüssen herum, Elbe, Weser, Hunte, Rhein, Main, Donau ... Er weiß mithin aus eigener Erfahrung, worauf es unterwegs ankommt.

Die Zeiten seiner Touren vermitteln, er ist - anders als wir, zum Teil aus aus den Tropen kommend - frostfest.

Für unsere Zwecke haben wir das ideale Boot erwischt. Es ist für fünf Personen ausreichend geräumig - zur Not können auch sieben Personen übernachten, aber dann gibt's mindestens rund um den Esstisch ein ziemliches Gedränge - und im Innern ist's so hoch, dass man ohne den Kopf einziehen zu müssen herumlaufen kann.

Während der Fahrt erleben wir die durchdachte Konstruktion des Bootes:

  • Es hat einen extrem geringen Tiefgang und keinen in die Tiefe ragenden Kiel. Die Gewässer - einschließlich der Weichsel mit ihrem mäandernden Wasserlauf und den unendlichen Sandbänken - sind zum Teil extrem flach. Wir laufen nirgendwo auf.

  • Die Anlegestellen einschließlich Yachthäfen sind - gelinde formuliert - bislang rar gesät: Fischerbabke, Stutthof, Elbing, Marienburg, Weißenberg, Dirschau, Nickelswalde (na ja), Schmerblock - neuer Yachthafen, Danzig, Prinzlaff. Welche vergessen?

  • Will man ansonsten an Land muss man sandige Buchten anfahren - Łukasz  warnt uns vor steinigen Buchten. Der Bootsboden möge leiden ...

  • Eine sandige Bucht: Mit geringem Speed anfahren, die Leiter am Bug herunterklappen - eines der genialen Elemente des Bootes - einer steigt aus, durch Wasser und Sand waten und per Seil das Boot weiter auf das Ufer zieht. Bei etwas Glück erreichen die anderen Bootsinsassen das Ufer trockenen Fußes.

  • Das Boot ist so klein und leicht, dass eine Person es alleine vom Sandstrand wieder ins Wasser schieben kann, im richtigen Moment den Fuß auf die  Bugleiter stellt, einen letzten Schubs gibt und an Bord klettert.

  • Das Boot ist so schmal, dass es mit ausreichendem Abstand nach links und rechts in eine Schleuse fahren kann, auch wenn nur ein Schleusentorflügel geöffnet ist. Die Schleusenwächter öffnen nur ungern beide Torflügel, denn das hat nicht nur doppelte Kurbelarbeit per Armkraft zur Folge, sondern auch einen 5-fachen Laufweg entlang der Schleuse - und das alles für den gleichen Obolus von 7 Zloty.

  • Auf dem Heck unter der Plane kann die gesamte 5-köpfige Mannschaft sitzen. Das ist relevant bei starkem Sonnenschein und Regen. Während der Fahrt sich in der Bootskabine aufzuhalten ist öde - man sitzt so tief, dass durch die Fenster allenfalls die Dammkronen zu sehen sind.
    Bezüglich der Aufenthaltsmöglichkeiten ist das nächst größere Schiff - mit Innenbordmotor und Bugstrahler ausgerüstet - ungünstiger: Es gibt keine Sitzplätze unter dem Dach am Heck.
    Sofern das Wetter es zuließ, saß einer am Bug, manchmal sonnte sich einer auf dem Kabinendeck und die anderen hielten sich am Heck auf.

Oben unser Boot mit Sitzplätzen auf dem Heck, unten das größere Boot ohne Sitzplätze. Rechts am Bug die Leiter.

  • Ein Muss sind die durchsichtigen Planen = ein "Vorzelt" -, die rund um das Heck bei Regen und Wind heruntergelassen werden - sie kosten extra. Ohne diese wäre die Fahrt an einigen Tagen ziemlich ungemütlich geworden.

Wie man das Boot fährt

Anfangs fahren wir Amateure im Zickzack: Das Boot nähert sich dem linken Ufer - Steuer nach rechts gedreht - das Boot schwenkt nach rechts - das rechte Ufer nähert sich - die gleiche Prozedur in die andere Richtung. Aber dann bekommen wir die Sache doch in den Griff: Das Boot hat, da es so flach im Wasser liegt und keinen Kiel hat, keinen - wie man beim Fahrrad sagt - Geradeauslauf. Der Wind und gegebenenfalls die Strömung üben permanent Seitendruck aus, so dass das Boot sich dreht. Der Trick: Der Kapitän beobachtet ununterbrochen die Bugspitze. Beginnt diese sich diese nach links zu drehen, sofort mit einer kleinen Drehbewegung nach rechts gegensteuern. Und sobald sich die Bugspitze dann nach rechts bewegt, wieder gegensteuern nach links. Die Konsequenz: Der Kapitän ist ununterbrochen dabei, die Drehbewegung des Boots zu beobachten und am Steuer zu kurbeln. Er hat noch nicht einmal Zeit, ein Stück "freihändig" zu fahren, um sich die Pfeife zu stopfen und anzuzünden ... darum ist es gut, wenn das Boot mit mehreren Kapitänen ausgestattet ist, die sich ablösen können. Denn ansonsten wird's regelrecht anstrengend.

Als beste Geschwindigkeit erweisen sich 3 km/h - dann ist vom Außenbordmotor nur ein leises Tuckern zu vernehmen und die Landschaft fließt gaaaanz langsam vorbei ...

Zwei schlafen im Bug ...

Zwei im Mittelteil - der Tisch rechts wird heruntergeklappt und auf die Bänke längs ein Bettgestell gelegt - ...
und Marten besetzt sofort die Höhle unter dem Deck.
 

Die Sanitäranlagen betritt man tunlichst einzeln, sonst wird's ein bisschen eng. Zum Duschen wird das Waschbecken hochgeklappt.

Ausstieg über die Bugleiter

 

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