aktualisiert 08.03.13

Werkzeuge, Links und Tipps

 

Photographieren von Kirchenbuchseiten von Filmlesegeräten bei den Mormonen

Im Laufe der Zeit haben sich bei mir Photographien von diversen Kirchbuchseiten angesammelt, erstellt von anderen Forschern / Forscherinnen. Die Qualität ist fast durchgehend - höflich formuliert - ein bisschen mau. Inzwischen habe ich eigene Aufnahmen sowie schlechte und gute Erfahrungen gemacht, die hier aufgelistet sind.

Die Filmlesegeräte in den Genealogiezentren der Mormonen haben einen 25 oder 27 Zoll großen Bildschirm, der ca. 10 bis 20 Grad nach hinten geneigt, leicht gewölbt und mittig beleuchtet ist. Sie stehen auf Tischen, 20 bis 25 cm von der Tischkante entfernt. (Kann je nach Örtlichkeit etwas variieren.)

  1. Einstellung des Lesegerätes: Es hat zwei Lichtstärken. Die Stärkere ist gut für das Lesen / Entziffern am Bildschirm, aber schlecht für das Photographieren. Die Mitte wird überbelichtet, der Bildschirmrand liegt im Dunkeln. Daher empfiehlt es sich, für das Photographieren die schwächere Lichtstärke einzustellen, da dabei der Kontrast zwischen Bildschirmmitte und Bildschirmrand geringer ist.

  2. Freihändig photographieren mit automatischer Belichtung (ohne Blitz natürlich), mit automatischer Entfernungseinstellung: Ich habe es versucht, die Ergebnisse waren durchweg katastrophal, weil es beinahe unmöglich ist, die Kamera vertikal und horizontal genau auf die Bildschirmmitte zu halten. Erfolgt dies nicht, sind Unschärfen die Folge ... und Flüche zu Hause vor dem Computerbildschirm, weil nichts zu entziffern ist ...

  3. Photographieren vom Stativ: Meines Erachtens ist dies die einzige Möglichkeit, qualitativ zufriedenstellende Photos zu machen. Mittels des Stativs die Kamera vertikal genau auf die Bildschirmmitte justieren, dabei den Neigungswinkel des Bildschirms berücksichtigen (die Camera steht etwas höher als die Bildschirmmitte und "schaut" etwas schräg nach unten). Auslösen nach Möglichkeit per Draht-, Selbst-, Funkauslöser oder per Computer - siehe unten; Auslösungen per Finger führen leicht zu Verstellungen der Kamera und zu Verwacklungen.

  4. Kameraeinstellungen: die höchste verfügbare Auflösung einstellen; wenn möglich Schwarz-Weiß-Aufnahmen (ergibt kleinere Dateien, Farben sind bei den KB normalerweise unnötig); wenn möglich manuelle Scharfeinstellung - automatische Scharfeinstellungen sind bei planen Flächen sehr schnell überfordert und liefern dann unscharfe Bilder; wenn möglich eine kleine Blende einstellen zwecks besserer Tiefenschärfe, was jedoch eine längere Belichtungszeit zur Folge hat (deswegen nicht von Hand auslösen).

  5. Meine Ausrüstung: Kräftiges Stativ, digitale Spiegelreflexkamera, verbunden mit einem Notebook, das neben dem Filmlesegerät steht. Die Steuerung der Kamera - Überprüfung der Schärfe, Einstellung des Belichtungsschwerpunktes, etc. - sowie das Auslösen erfolgt per Computerprogramm. Die Bilder werden in der Kamera sowie auf der Computerfestplatte gespeichert. Das Ganze hat noch den zusätzlichen Vorteil, dass man zum Auslösen nicht jedes Mal aufstehen muss. Wenn ich die Kamera richtig justiert habe sind die Bilder zumindest phototechnisch okay.

  6. Was photographieren? Zuerst die gesamte KB-Seite, dann Teilausschnitte von auf dem Bildschirm vergrößerten Seitenteilen ... ansonsten sitzt man später vor KB-Seitenschnitzeln und weiß nicht mehr, von welchem Jahr etc. der KB-Seitenausschnitt stammt.
    Achtung: Bei KB-Seiten, die sich über die gesamte Bildschirmhöhe oder -breite erstrecken, sind die Ränder fast durchgehend unscharf aufgrund der Wölbung des Bildschirms. 1. Photo: Die gesamte Seite mit Unschärfen oben und unten; 2. Photo: Die obere Hälfte der KB-Seite in die Mitte des Bildschirms schieben; 3. Photo: Das gleiche mit der unteren Hälfte der KB-Seite machen. Bei vergrößerter Bildschirmdarstellung - auf den meisten Geräten gibt es drei Modi - eventuell noch mehr Photos machen.

  7. Welche Seiten photographieren: Zuerst eventuell vorhandene Register über Taufen, Heiraten und Todesfälle im KB. Diese lassen sich dann zu Hause in Ruhe auswerten, und man kann notieren / markieren, welche KB-Einträge genauer studiert werden sollen. Die Register aus dem 19. Jahrhundert und früher sind offensichtlich häufig in einem schaurigen Zustand; glücklich kann sich derjenige schätzen, der auf in den 30-er Jahren des 20. Jahrhundert im Zusammenhang mit der NS-Ahnenpasserstellung geschriebene Register stößt. Grundsätzlich: Man kann sich auf die Register nicht hundertprozentig verlassen.

  8. Bearbeitung der Photos per Bildbearbeitungsprogramm: Zurecht schneiden; falls das Bild im Farbmodus vorliegt ist, den Modus ändern auf Graustufen;  nicht das Programm das Bild automatisch "optimieren" lassen oder "Auto-Tonwertkorrektur" und "Auto-Kontrast" vornehmen, denn dann wird die Bildmitte wieder überbelichtet und der Rand unterbelichtet, sondern nur "Automatisch schärfen". Falls notwendig, Kontrast und Tonwert vorsichtig manuell korrigieren, eventuell nur Teilausschnitte des Bildes ... die Bearbeitung eines Bildes kann zu einer wahren Fummelei ausarten, aber auch zu Erkenntnissen führen, zu denen man mit dem Original des KB nicht käme ...

  9. Benennung der Dateien: Hat man größere Mengen an photographierten KB-Seiten vorliegen braucht man ein System zur Benennung der einzelnen Dateien ... ansonsten findet sich nichts mehr. Nach einigem Probieren habe ich folgendes System angelegt:
    - Der Dateiname beginnt mit dem Ereignis: G = Geburt, H = Heirat, T = Tod.
    - Es folgt das Jahr und die wievielte Seite von dem Jahr.
      Beispiel: G_1745-1 = Geburt, die erste volle Seite diesen Jahres; die zweite
      heißt dann G_1745-2, etc.
    - Seiten mit Einträgen aus zwei auseinanderfolgen Jahren lauten dann
      G_1745-46 (ohne weiteren Zusatz)
    - Ausschnitte von Seiten werden mit a, b, etc. gekennzeichnet.
      Beispiel: G_1745-1a und G_1745-1b sind jeweils unterschiedliche
      Ausschnitte der Seite G_1745-1
    -Einzelne Registereinträge: Ereignis plus das Datum nach amerikanischer
      Schreibweise JJJJ-MM-TT - damit sind die Dateien in Verzeichnissen
      automatisch sortiert - Name, Vorname, eventuell Ergänzungen. Beispiele:
         G_1745-07-12_Schumacher_Johann_Elt_Johann+Eichholtz_Anna
         H_1763-02-07_Schumacher_Johann_oo_Kiep_Elisabeth
         T_1778-01-23_Schumacher_Johann
    Die Dateien sind in einem Verzeichnissystem abgelegt. Beispiel:
    Verzeichnis: KB_Gross_Zuender
    Unterverzeichnis: KB_1733-1804 (eventuell ergänzt durch die Filmnummer)
    Unter-unterverzeichnisse je für Geburt, Heirat, Tod und gegebenenfalls andere Einträge.
    Dies hilft zum einen, einzelne Dateien schnell zu finden, zum anderen, eine Seite im Film wieder zu finden.

  10. Wenn per Photographie gar nichts mehr geht, manche (welche in Deutschland?) Genealogiezentren der Mormonen sind mit einem Gerät ausgestattet, das den Ausdruck von KB-Seiten ermöglicht, einschließlich Vergrößerungen und Teilausschnitten. In Frankfurt, Eckenheimer Landstrasse, befindet sich die Europazentrale der Mormonen und damit ein "großes" Genealogiezentrum ... dort ließ ich mir die gesamte Chronik der Kirche von Groß Zünder ausdrucken für 50 Cent pro Seite .... das Genealogiezentrum war wegen des Geldzuflusses glücklich, und ich warte nun auf die richtigen Erleuchtungen bezüglich der Entzifferung, denn ...

  11. ... schätzungsweise ein Drittel aller Pfarrer der letzten 400 Jahre dürfte in der Hölle gelandet sein ... wegen saumäßiger Kritzelei und chaotischer Führung des Kirchenbuches. Mit einem Minimum an Intelligenz hätte ihnen doch klar sein müssen, dass wir uns im 21. Jahrhundert, mit einer gewaltigen Portion an Masochismus ausgestattet, noch auf ihre Schmierereien stürzen würden ...

    Viel Erfolg!

 

 

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